Mir platzte der Kragen.
Ich habe mich mit ein paar Freundinnen an den Afropfingsten getroffen. Wir besuchten die Afterparty im Salzhaus, sassen gemütlich draussen, als wir aufgrund eines lauten Knalls aufschreckten. Vor unseren Augen hatte ein Mann eine Frau geschlagen. Mitten ins Gesicht. Ihr Ex-Freund, wie wir später herausfanden. Es waren viele Leute da, die meisten machten gar nichts, doch ein Mann rannte dem Täter nach und sprach auf ihn ein. Der Securitas, der auf dem Platz war, wandte sich der Frau zu. Das kann man okay finden, doch der Täter kam zweimal zurück und beschimpfte die Frau aufs Übelste. Nichts geschah. Als er sich ihr das dritte Mal näherte, platzte mir der Kragen. Ich stand auf, stellte mich hinter den Täter, packte seine Arme und stoppte ihn. Ich wurde dazu erzogen, mich zu wehren, und konnte nicht mehr weiter zuschauen. Der Typ beschimpfte mich aufs Übelste. Ich sei eine Schlampe, kein bisschen besser als seine Ex, aber er fasste mich nicht an.
Plötzlich waren da ganz viele Leute, die auf mich einredeten. So löse man keine Konflikte, ich hätte mich selbst in Gefahr gebracht. Ob die Reaktionen gleich ausgefallen wären, wäre ich ein Mann? Was mir fehlte, war ein Platzverweis für den Typen, ein Anruf bei der Polizei und ein beherzteres Eingreifen der Securitas. Was mich rückblickend am meisten beschäftigt, ist, dass die Frau mir später sagte, für sie sei es gar nicht so schlimm gewesen. Er sei immer so. Sie sei es gewohnt. Mit meinen Freundinnen kam ich an diesem Abend zum Schluss, dass wir alle einen Kampfsport erlernen sollten.