Meine Geschichte ist gerade wieder stärker in den Vordergrund gerückt – wegen der Plakate der Präventionskampagne «Gleichstellung verhindert Gewalt» des Bundes und wegen des Albanifests. Vor acht Jahren, genau an diesem Wochenende, erlebte ich mit meinem damaligen Partner eine Situation, die ich nie vergessen werde. Es war ausserhalb des Festgeländes, an der Lindstrasse bei der Abzweigung Hermann-Götz-Strasse, direkt bei der Staatsanwaltschaft Winterthur.

Von aussen hat es vielleicht ausgesehen wie ein angetrunkenes Paar, das nach dem Albani streitet. In mir drin war jedoch die pure Angst. Es war nicht das erste Mal, dass er seine Wut verbal an mir ausliess – aber das erste Mal in aller Öffentlichkeit. Ich habe mich oft gefragt, warum niemand etwas gesagt oder eingegriffen hat.

Lange konnte ich diese verbalen Angriffe und Drohungen selbst nicht als Gewalt einordnen. Ich schämte mich dafür. Erst später habe ich verstanden, dass die Gewaltspirale genau mit solchem Verhalten und solchen Grenzüberschreitungen beginnt und bis zu körperlicher Gewalt oder sogar einem Femizid führen kann. Noch Jahre später hatte ich Angst, dass er eines Tages vor meiner Haustür stehen würde – so wie er es bei seiner früheren Partnerin getan hatte und wofür er wegen Drohung auf Bewährung war..